Podiumsdiskussion „Wo uns der Schuh drückt“

„WIR“, SPD und Grüne für Klimaschutzwald – Bürgerklub soll für Vereine und Einwohner erhalten bleiben


Mehr als 40 Zuschauer, sechs Kandidaten, drei Moderatoren und 90 Minuten Zeitvorgabe bildeten den Rahmen für die im Bürgerklub von unserem Familien-Magazin durchgeführte Informationsveranstaltung. Obwohl die Fragen der Moderatoren Lars Augustin, Elke Weißbach und Carsten Sicora hauptsächlich auf unseren Ort zugeschnitten waren, kamen rund ein Drittel der Gäste „von außerhalb“, um an der letztendlich zweistündigen Veranstaltung teilzunehmen. Dabei äußerten die Kandidaten ihre Ansichten u. a. zur Nutzung und zum Erhalt des Bürgerklubs, den Straßen im Ort, dem ÖPNV, dem Erhalt des Waldes am Ortsrand, zum Naturschutz und dem verschuldeten Haushalt der Gemeinde.

Nachdem sich zu Beginn der Veranstaltung die Kandidatin und die Kandidaten auf Bitte der Redakteure für die Zuschauer kurz vorgestellt hatten, beantworteten sie im Anschluss reihum Fragen zu verschiedenen Themenkomplexen.
Zuvor hatte der Veranstaltungsleiter des Abends, Lars Augustin, den geplanten Ablauf der Veranstaltung kurz erläutert und die Zuschauer darauf hingewiesen, dass auf den ausliegenden Kärtchen Fragen notiert werden können. Diese konnten im Anschluss an die Hauptthemen den Kandidaten als Zuschauerfrage selbst oder durch die Moderation vorgetragen werden. Die Kandidaten im Podium waren gebeten, diese zu beantworten. Dabei sollten alle Kandidaten zu den betreffenden Themen die Möglichkeit haben, sich zu äußern, damit sich die Zuschauer ein Bild von den Zielen der jeweiligen Partei oder Wählervereinigung machen können.

Hinweis:
Nachfolgend ein Auszug aus den Fragen der Moderatoren und die Antworten der Kandidaten dazu.
Diese sind gekürzt und inhaltlich wiedergegeben. Fehler in der inhaltlichen Wiedergabe können nicht ausgeschlossen werden, sind jedoch nicht beabsichtigt.
Sollten sich Teilnehmer der Diskussionsrunde unrichtig wiedergegeben finden, bitten wir um Nachricht.
Die Vertreter der ebenfalls für die Gemeinde Schwielowsee kandidierenden Wählergruppen bzw. Partei von „Unser Ferch“, der FDP und „Schule und Soziales“ folgten unsere Einladung zur Podiumsdiskussionsrunde leider nicht.

Um sich ein umfassendes Bild zu machen, wird empfohlen, sich zusätzlich die Programme der Parteien und Wählergruppen anzuschauen, die auf deren Webseiten oder Flyern zu finden sind.

Fragen zum Thema 1 – Gemeindliches Zusammenleben

Wir sind hier im Bürgerclub in Wildpark West. Das Gebäude ist im Zuge der Siedlung für die Armeeangehörigen als Freizeitklub für den Ort gebaut worden, sogar eine Gemeindeschwester hatte hier Sprechzeiten. Nach der Wende haben Einwohner ausgebaut, renoviert und halten ihn heute in Schuss.
Draußen gibt es eine Freifläche, die mittlerweile etwas weniger ansehnlich vor sich hin grünt, mit bunten Blumentupfern der Jungen Naturfreunde verschönert. Dort wo früher eine Tischtennisplatte stand, steht heute ein Container des Gemeindebauhofs. Durch die zweckgebundene Übertragung des Bundes ist es Gemeinde- und damit Bürgereigentum geblieben.
Viele Vereins- und Freizeitaktivitäten finden hier statt, der Klub ist Kinoraum, es wird geturnt, Schach gespielt, Orts- und Familienfeste gefeiert – er ist Bücherstube, Treff der Jungen Naturfreunde, der Volkssolidarität – aber auch Pausenraum für den Bauhof und die Busfahrer, Wahllokal, doch da geht doch mehr …?

Fragen:
Welche Rolle spielt der Bürgerclub in Ihrem Konzept?
Zeiten für Treffen mit Gleichgesinnten ad hoc oder zum Treffen mit Freunden zum Spielen, zum Verabreden mit einem transparenten Terminkalender im Netz zu finden und zu nutzen, um ein unkomplizierter und lebendiger Ort für alle zu sein – wie stellen Sie sich das vor?

Isolde Fuhrwerk (DIE Linke): Der Bürgerklub ist unverzichtbar und besonders für die Vereine und die Ortsgruppe der Volkssolidarität wichtig. Ihre Fraktion unterstützt das gesellschaftliche Leben der Begegnungsstätte. Förderung des Vereinsleben sei ein zentraler Punkt der Linken.

Matthias Fannrich (BBS): Der Klub wird jährlich mit 3.000 €Euro durch die Gemeinde finanziert und ist in den Abendstunden stärker frequentiert. Was Verschönerungsarbeiten betrifft, liegt das in der Eigenverantwortung der Nutzer und nicht in der des Bauhofs. Beim Großreinemachen und beim Frühjahresputz ist besonders die „Rotkäppchengruppe“ aktiv.

Matthias Schmieder (CDU): Der Klub ist ein Glücksfall für den Ort, anders als z. B. in Caputh. Die Finanzierung ist abhängig von der Finanzlage und sollte immer im Auge behalten werden.

Heiko Mutz (Wir für Schwielowsee): Mit Fokus auf Jugend, junge Familien und Senioren: Die Einwohner haben etwas, was andere Ortsteile leider nicht haben. Der Klub wird gut genutzt. Jeder, der vom Bürgerklub partizipiert, sollte sich auch für den Bürgerklub einsetzen. Mit Eigenverantwortung ist dabei vieles bewegbar.

Vico Melik-Karamow (Bündnis 90/Die Grünen): Wissen die Kinder und Jugendlichen überhaupt, dass es so einen Klub gibt? Das Angebot sollte besser beworben und der Klub auch mit Internet ausgestattet werden. Er ist das kulturelle Zentrum im Ort, an dessen Pflege sich alle beteiligen sollten.

René Braunsdorf (SPD):  Eigentlich sollte jeder Ortsteil so einen Klub haben. Leider ist das nicht so. Auch ein Internetanschluss kostet nicht die Welt. Das Problem der angespannten Haushaltslage und die Begrenzung von freiwilligen Leistungen durch die Gemeinde darf nicht zu Einschränkungen führen. Wenn der Klub weiter so gut genutzt wird, ist er auch zukünftig für die Einwohner als Treffpunkt sicher. Die Pflege des Klubs ist selbstverständlich, auch für alle anderen Vereine.

Frage:
Nach der Kritik an der nicht  immer nachvollziehbaren Vereinsförderung der Vergangenheit: Sind Sie für eine
transparente und begründete Vereins- und Ehrenamtsförderung aus dem Gemeindehaushalt, bitte mit Ja oder Nein beantworten.

René Braunsdorf (SPD): Eindeutig Ja.

Isolde Fuhrwerk (DIE Linke): Ja.

Matthias Fannrich (BBS): Die Frage kann man nicht einfach mit Ja oder Nein beantworten. Die Förderung ist festgelegt über eine Richtlinie. Die Entscheidung trifft der Ortsbeirat auf der Grundlage der Anträge. Ja, Transparenz ist wichtig.

Matthias Schmieder (CDU): Ja.

Heiko Mutz (Wir für Schwielowsee): Ja.

Vico Melik-Karamow: (Bündnis 90/Die Grünen): Ja.


Fragen zum Thema 2 – Straßenausbau

Wildpark-West ist eine Waldsiedlung mit sehr unterschiedlichem Straßenbestand. Dieser reicht von unbefestigten Sandwegen und Betonplatten über asphaltierte Straßenzüge unterschiedlicher Güte (Str. Am Ufer) bis hin zu neu gestalteten Nebenstraßen (Fichtenweg), Nebenwegen (Kiefernsteig) oder einzelnen Straßenabschnitten (Waidmannspromenade). Fußwege sind kaum, sichere Radwege gar nicht vorhanden. Ein Konzept ist nicht erkennbar. Die Umsetzung der gemeindlichen Satzung wird nur unzureichend kontrolliert.

Frage:
Welches Konzept vertreten Sie beim Ausbau oder Erhalt von Straßen und Wegen und deren Reinhaltung im Ort?

Matthias Fannrich (BBS): 2019 entschieden die drei Ortsbeiräte aus dem bis dahin undurchsichtigen Konzept über die Vergabe der Mittel durch die Bauverwaltung, dass die drei Orte Caputh, Ferch und Geltow jeweils 100.000 Euro erhalten und bei der Gemeinde 150.000 Euro verbleiben. Die Ortsbeiräte entscheiden dann, wo der größte Bedarf besteht.
Es gibt zwei Verfahren. Das Patchmatikverfahren, das Ausbringen einer splittartigen Masse, was in einigen Tagen auch wieder in Wildpark-West beginnen wird oder, wenn der Untergrund das hergibt, auch die Herstellung von Asphalt-
straßen, wenn die Anwohner es in diesen Wegen wollen. Der grundhafte Ausbau muss aus finanziellen Gründen fast immer ausgeschlossen werden. Inzwischen gibt es jedoch nur noch 50.000 Euro, damit geht der Ortsbeirat vorsichtig um. Eigene Radwege im Ort wird es nicht geben.

René Braunsdorf (SPD): Die Bürger müssen mitgenommen werden. Ein Konzept über Straßenausbau und daraus resultierende Maßnahmen ist von der Akzeptanz der Bürger abhängig und von den vorhanden Mitteln.

Der Meinung schließen sich Isolde Fuhrwerk (DIE Linke), Matthias Schmieder (CDU), Heiko Mutz (Wir für Schwielowsee) und Vico Melik-Karamow (Bündnis 90/Die Grünen) an.

Kohlkopfgroße Schlaglöcher (z. B. An der Kirche) oder der zunehmende Radschnellverkehr (Str. Am Ufer) bilden potentielle Gefahrenherde für Verkehrsteilnehmer.

Frage:
Mit dem Wissen um die finanzielle Notlage im Gemeindehaushalt: Welche Schwerpunkte möchten Sie zukünftig setzen?

A) Reparatur der Straßenschäden    B) Grundhafter Ausbau von Straßen
C) Umsetzung eines anderen Verkehrskonzeptes

René Braunsdorf (SPD): B fällt aus finanziellen Gründen aus, also kann es nur die Balance aus Reparatur und Erneuerung sein, was dann das Konzept wäre.

Isolde Fuhrwerk (DIE Linke): Sieht das ebenso wie Herr Braunsdorf.

Matthias Fannrich (BBS): Zuerst steht natürlich die Gefahrenabwehr A. Unter Berücksichtigung weiterer Faktoren wie Verkehrslast, Anzahl der Bewohner und der Gesamtsituation kann auch über eine Asphaltierung nachgedacht werden.

Matthias Schmieder (CDU): Ja. Derzeit A, wobei auch die Konzepte der Anlieger berücksichtigt werden sollten.

Heiko Mutz (Wir für Schwielowsee): Alles steht und fällt mit den Finanzen. Bei dem desolaten Haushalt kommt derzeit wohl nur A in Frage. Wobei die Frage ist, ob die Bürger überhaupt eine Asphaltierung ihrer Waldsiedlung wollen.

Vico Melik-Karamow (Bündnis 90/Die Grünen): Als Parteiloser, der die Grünen vertritt, schließt er sich dieser Meinung an. Nicht alles muss asphaltiert sein.


Fragen zum Thema 3 – ÖPNV

Solange man gut zu Fuß ist, Radfahren kann, ein Auto hat – ist der ÖPNV eine gute Ergänzung und wir könnten zufrieden sein. Aber es gibt Schüler, Kranke oder beim Fahren beeinträchtigte Menschen, Senioren, die nicht mehr fahren möchten – da ist der Fahrplan schon eine Hilfe. Nach Potsdam im Stundentakt, nach Geltow im Schulbusbetrieb und nach Werder, nach Ferch, nach Caputh? Schulbusbetrieb nach Potsdam ist schwieriger bei mehreren Schulen dort.
Da sieht es schon nicht mehr so gut aus.
Sonntags ist es ganz aus und die Verbindung zu einer Versammlung der Gemeindevertretung in  Ferch im Winter in den Abendstunden ist dann schon eine organisatorische Aufgabe.
Auch Wellness und touristische Angebote in der Gemeinde sind in der Regel mit dem ÖPNV nicht erreichbar.
Kultur, Arztbesuche, gastronomische Freuden genießen – das muss man dann wirklich wollen, notfalls mit dem Taxi.
Auch das Radwegekonzept ist ein Dauerthema.

Frage:
Welche Vorschläge hat Ihre Partei/WV für eine greifbare Lösung?

Vico Melik-Karamow (Bündnis 90/Die Grünen): Der ÖPNV muss besser gefördert werden. Als er als Jugendlicher noch keinen Führerschein hatte, war er darauf angewiesen, dass ihn jemand fährt –- oder er blieb eben hier.

Matthias Fannrich (BBS): Die Gemeinde wendet jährlich 48.000 Euro für den ÖPNV auf. Auch das Mitglied des Aufsichtsrates von Regio-Bus, Roland Büchner (Anm. der Red.: ebenfalls BBS), hat sich sehr für die Schülerbuslinie nach Geltow eingesetzt, die auch von anderen Einwohnern genutzt werden kann. Angebote müssen aber auch genutzt werden, um sie aufrecht zu erhalten.

Matthias Schmieder (CDU): Es liegt an uns den ÖPNV effizienter zu gestalten. Zur Zeit fahren Busse, die werden vom Kreis bezahlt. Wir Geltower brauchen uns nicht beschweren. So können z. B. Geltower Busse in ihrer Taktung geändert werden, um z. B. eine zusätzliche Busfolge für Wildpark-West zu ermöglichen.

Heiko Mutz (Wir für Schwielowsee): Für ihn ist der 610er sehr unattraktiv. Er fährt deshalb mit dem Rad acht Minuten nach Werder zum Bahnhof und ist von dort mobil, in 29 Minuten auf dem Kuhdamm.


Fragen zum Thema 4 – Naturschutz und Bauen

Das seit Jahren von der Mehrheit der Gemeindevertretung gewollte Wachstum der Gemeinde hat zu einem Zuzug von Einwohnern, zu finanziellen Mehreinnahmen und einer immer größer werdenden, teilweise überlasteten Verwaltung geführt. Gleichzeitig wurden durch entstandene Wohngebiete (Petzinsee Geltow, Helma-Siedlung Wildpark-West) Naturflächen zerstört, drohen Landschafts- oder andere Schutzgebiete durch geplante Bauvorhaben (Industriepark Ferch, Geltow Nord, Richter-Recycling, Siedlungsneubau statt Klimaschutzwald Wildpark-West) vernichtet zu werden. Die Infrastruktur kann mit dieser Entwicklung nicht Schritt halten.
In allen Umfragen der letzten Jahre, sei es die Befragung 2019 (Uni Potsdam), durch unser Magazin 2020 oder unlängst durch das INSEK ist erkennbar, dass die Einwohner solche Art von Wachstum mehrheitlich ablehnen.

Frage:

Wie stehen Sie zur Entwicklung von weiteren Wohn-, Gewerbe und Industriegebieten in der Gemeinde?

René Braunsdorf (SPD): Das INSEK hat es gezeigt; die Bevölkerung möchte keine herausragenden, größeren Bauvorhaben. Er sieht sich als Vertreter der Bürger und für ihn steht angepasstes Bauen in den Orten und Naturerhalt im Vordergrund. Das Wollen der Bürger muss Berücksichtigung finden.

Isolde Fuhrwerk (DIE Linke): Der dörfliche Charakter soll erhalten werden. Entwicklung heißt verträglich bauen.

Matthias Fannrich (BBS): Ist ein Freund von Bürgerinitiativen, da die Anliegerinteressen kanalisiert werden können. Öffentliches und privates Recht muss abgewogen werden. Bebauungspläne entstehen in Abhängigkeit der entwickelten Flächennutzungspläne.

Matthias Schmieder (CDU): Der Siedlungscharakter muss erhalten bleiben und nicht alles mit Betonklötzen zugebaut werden. Alles mit Augenmaß.

Heiko Mutz (WIR für Schwielowsee): Wenn es erst eine Bürgerinitiative (BI) gegen ein Bauprojekt braucht, ist schon etwas schiefgelaufen. Eine Gemeindevertretung soll doch die Gemeinde, die Bürger vertreten.
Er widerspricht der typischen Opferrolle von BI`s. „Bauen als Gesamtkonzept“ ist im Wahlprogramm von WIR für Schwielowsee verankert. Gewerbegebiete wie Neuseddin oder Wohnblöcke im Wald von Wildpark-West wollen die Bürger nicht, das hat auch das aktuelle INSEK gezeigt.

Vico Melik-Karamow (Bündnis 90/Die Grünen): Hier vor den Toren Berlin gibt es genug gute Möglichkeiten Gewerbe anzusiedeln. Wenn man in Wildpark-West bauen möchte, und das sei jedem zugestanden, sollte man aber auch voraussetzen können, dass ökologische Aspekte, sprich naturnahes Bauen, Berücksichtigung finden. Er will, dass die Waldsiedlung so erhalten bleibt. Wenn hier alle Bäume gerodet worden sind, brauchen wir auch nicht mehr Waldsiedlung heißen.


Wie Umfragen belegen, ist der Erhalt der Natur der Mehrheit unserer Einwohner das wichtigste Anliegen.

Frage:

Welche Rolle spielt Umwelt- und Naturschutz in Ihren Konzeptionen?

A) Wachstum muss sich dem Umwelt- und Naturschutz unterordnen.
B) Wachstum ist wichtiger als Umwelt- und Naturschutz.


Isolde Fuhrwerk (DIE Linke): A unter Berücksichtigung von B.

Matthias Fannrich (BBS): Man muss beides berücksichtigen, A und B.

Matthias Schmieder (CDU): A und B, das Eine geht ohne das Andere nicht.

Heiko Mutz (Wir für Schwielowsee): In einer begrenzten Welt kann es kein unbegrenztes Wachstum geben, A.

Vico Melik-Karamow (Bündnis 90/Die Grünen): Ich sehe das genauso: Definitiv A.

René Braunsdorf (SPD): Ganz klar A.


Die Frage der Entwicklung eines MEGA-Gewerbegebiets (Neuseddin/Ferch) wird von allen Kandidaten kategorisch
abgelehnt.

Mit überwältigender Mehrheit haben die Einwohner von Wildpark-West einen weiteren Siedlungsbau am ehemaligen Ferienlager durch die Gemeinde abgelehnt. Stattdessen favorisiert eine knappe Mehrheit das Projekt eines Klimaschutzwaldes, ein großer Teil der Einwohner lehnt eine Bebauung des Waldgebietes ganz ab.
Fachleute und Juristen der Umweltschutzvereinigung Waldsiedlung-Wildpark-West halten die gemeindlichen Pläne für undurchführbar. Die Gemeindeverwaltung hat eine Überarbeitung ihrer Pläne abgelehnt, eine Einigung mit den Bürgern scheint in weite Ferne gerückt.

Frage:

Stehen Sie zu den gemeindlichen Bauplänen oder unterstützen Sie die Bemühungen der Einwohner um Naturerhalt?


Matthias Fannrich (BBS): Ist nach wie vor gegen eine Bebauung. Er verweist darauf, dass der Verein Waldsiedlung Wildpark-West zusammen mit dem Unternehmer Herrn Krentz „“Die Büchse der Pandora““ aufgemacht hat. Bei der Wohnungsnot von Jugendlichen und jungen Familien nutzt die Gemeinde jedoch die Möglichkeiten, die der Gesetzgeber bietet. Er hätte sich gefreut, wenn die Fläche Wald geblieben wäre, doch nun sei es völlig richtig, dass die Gemeinde versucht, ihre Ziele durchzusetzen.

Matthias Schmieder (CDU): Das muss man mit Augenmaß machen. Er kann nicht einfach sagen, er ist für den Erhalt der Natur oder für den Erhalt von Wohnungen, da er nicht in Wildpark-West lebt. Dass müssen die Leute, die hier wohnen, entscheiden.

Heiko Mutz (Wir für Schwielowsee): Die Wohnungsfrage kann nicht hier im Ort geklärt werden. Ob die Gemeinde hier 40 oder 400 Wohneinheiten bauen will, das ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Was aber damit erreicht wird, ist Unzufriedenheit bei den Bürgern zu schüren, weil plötzlich jeden Morgen 80 Autos mehr fahren. Er persönlich findet das Verhalten der Gemeinde widersprüchlich und nicht schlüssig. Er persönlich ist gegen den Bau von sechs Doppelhäusern mit 24 Wohneinheiten und Tiefgarage und findet es einen guten Kompromiss, der da mit vier Eigenheimen gelungen ist. „WIR für Schwielowsee“ legt den Schwerpunkt auf den Erhalt der Natur, auf den Erholungsort Schwielowsee.

Vico Melik-Karamow (Bündnis 90/Die Grünen): Auch er ist sich unsicher, inwieweit in Wildpark-West die bundesweite Wohnungsnot gelöst werden kann. Ob der Ort mit dem Bau von solchen Häusern, wie von der Gemeinde geplant, für Jugendliche attraktiver wird, die sich solche Häuser wohl kaum leisten können, glaubt er jedenfalls nicht.  

René Braunsdorf (SPD): Er unterstützt ganz klar das Projekt „Klimaschutzwald Wildpark-West“. Er ist gegen die geplante, ortsuntypische Bebauung der Gemeinde in dem Waldgebiet zumal weitere Gründe deutlich dagegen sprechen.

Isolde Fuhrwerk (DIE Linke): Es gilt abzuwägen: die Notwendigkeit von neuen Wohnungen und der Erhalt der Natur. Letztendlich muss ein Konsens zwischen Gemeinde und den Bürgern gefunden werden.


Es folgt eine Fragerunde zur Stabilisierung des Haushalts, die übereinstimmend von allen Kandidaten dahingehend beantwortet wird, dass die zukünftigen Ausgaben, der schwierigen Haushaltssituation anzupassen sind.

Abschließend eröffnet Lars Augustin die Fragerunde der Bürger, unter anderen:

Frage:
Sollen Flächen aus dem Landschaftsschutzgebiet ausgegliedert werden, um kommunale, gewerbliche oder private Baumaßnahmen zu ermöglichen?

Übereinstimmende Antwort: Nein, da dies dem Sinn von Schutzgebieten widerspricht.

Frage:
Was sind Ihre Vorschläge den Ort für Kinder und Jugendliche attraktiver zu machen?

Übereinstimmende Antwort: Mehr Angebote für Jugendliche schaffen.

Frage:
Die Gemeinde hat 15 Jahre lang den Haushalt durch Grundstücksverkäufe ausgeglichen. Nun sind fast alle Grundstücke versilbert. Ergänzungsfrage durch die Moderatoren: Halten Sie es für vorstellbar, dass z. B. der Bürgerklub für den Ausgleich des Haushalts herangezogen und verkauft wird?

Isolde Fuhrwerk (DIE Linke) und Matthias Fannrich (BBS): Nein, dass sei abwegig und ausgeschlossen. Auch alle anderen Teilnehmer der Diskussionsrunde sprechen sich deutlich gegen einen Verkauf des Bürgerklubs aus.

Frage:
Welche Vorstellungen gibt es für die Energieversorgung der Zukunft, da Solar oft nicht möglich ist (Verschattung) und Bäume jedoch erhalten werden sollen?

Die Teilnehmer der Diskussionsrunde stimmen überein, das ohne ein Energiekonzept der Gemeinde, eine Diskussion wenig bringt. Entscheidend sei die zügige Umsetzung der gemeindlichen Studie.


Frage:
Was halten Sie von Herrn Schmieders Vorschlag aus der Diskussionsrunde, die Taktung der Buslinien 631 und 580 von 10 auf 30 Minuten ausdünnen zu wollen?

Matthias Schmieder (CDU) stellt fest, dass dies nur ein beispielhafter Vorschlag war, zudem er aber stehe. Die anderen Teilnehmer zeigen sich offen für alle Lösungen, die eine Verbesserung des ÖPNV bedeuten.

Frage:
Was kann die Gemeinde zukünftig tun, wenn manche Grundstücke völlig verwahrlost sind und von ihnen eine Gefahr ausgeht?

Matthias Fannrich (BBS): Jeder kann natürlich im Rahmen der gesetzlichen Bestimmungen mit seinem Grundstück machen was er will. Bei Gefahren für die Nachbarn, wird das Ordnungsamt der Gemeinde aktiv.

Weitere Fragen betreffen die Ansiedlung und Förderung von Gewerbe im Ort, die Attraktivität des Ortes für Kinder und Jugendliche oder Anfragen an einzelne Abgeordnete, die (aus Zeitgründen) nicht auf der Diskussionsrunde angesprochen werden, sondern im direkten Kontakt zwischen den Kandidaten und den Bürgern besprochen werden sollen.