In Wildpark-West wächst vieles – meistens Kiefern, ab und zu ein Pilz, aber am vergangenen Wochenende spross vor allem die Kreativität. Zum Tag des offenen Ateliers gab es in der Nachbarschaft ein Ziel, an dem man schon an der Pforte merkt: Hier wird nicht nur Rasen gemäht, hier wird gestaltet.
Affenstarker Empfang
Wer das Grundstück von Frank Schulze betritt, muss keine Klinke putzen, sondern wird direkt von zwei Affen flankiert. Keine Sorge, die beiden sind aus Stein (oder zumindest sehr geduldig), bewachten aber den Eingangsbereich mit einer stoischen Gelassenheit, die man sich für den eigenen Alltag öfter wünschen würde.
Nach dieser tierischen Begrüßung gab es einen wunderbaren Überblick über den Skulpturengarten. Zwischen Flora und Fauna präsentierten sich bildhauerische Arbeiten, die beweisen, dass Frank Schulze ein Meister der präzisen Materialbearbeitung ist – eine Fertigkeit, die auf einer fundierten technischen Ausbildung in den 80er Jahren fußt.
Von der Weltbühne in die Wald-Siedlung
Frank Schulze öffnete für uns nicht nur die Pforte zu seinem Garten, sondern gab uns auch einen Einblick in seine Werkstatt und das beeindruckende, selbst ausgebaute Atelier. Hinter der beschaulichen Fassade verbirgt sich eine Vita, die von den ganz großen Bühnen der Welt erzählt:
- Berliner Schule & Theaterzauber: Zwischen 1986 und 1992 war er am geschichtsträchtigen Berliner Ensemble als Theatertierplastiker tätig, gefolgt von Stationen am Staatstheater Kassel.
- Dimensionen der Extraklasse: Fast drei Jahrzehnte lang (1994–2023) leitete er die Bildhauer- und Malerwerkstätten der Bregenzer Festspiele. Wer die monumentalen Bühnenbilder am Bodensee kennt, weiß: Das erfordert ein Denken in Dimensionen, die fast schon an Zauberei grenzen.
- Internationales Wirken: Ob USA, Kanada, Ägypten oder Rumänien – Franks Arbeiten im öffentlichen und privaten Raum sind weltweit zu finden.
Dass jemand mit dieser Erfahrung nun als freischaffender Bildhauer in unserer Siedlung wirkt, ist ein echter Gewinn. Besonders schön: Seit 2025 gibt er sein Wissen ehrenamtlich an die Kunstklassen des Helmholtz-Gymnasiums in Potsdam weiter.
Ein inspirierender Ausklang
Bei einem entspannten Kaffee durften wir noch tiefer in die Geschichten hinter den Werken eintauchen. Es ist diese Mischung aus internationalem Flair, handwerklicher Perfektion und nachbarschaftlicher Herzlichkeit, die diesen Besuch so besonders gemacht hat.
Wir freuen uns über diese kulturelle künstlerische Vielfalt direkt vor der Haustür. Ein großes Dankeschön an Frank Schulze für die Gastfreundschaft und diesen faszinierenden Einblick in ein bewegtes Künstlerleben!
Einen videografischen Auszug unseres Besuch findet ihr unter: https://www.instagram.com/p/DX4aHhlsOtw/


